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Albert Camus' Leben

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Als die beiden Männer eintraten, sah die Araberin sie mit einem kurzen Lachen an, während ihre dünnen braunen Arme noch immer die Schüssel darboten. Die Kantinenwirtin sah sie an und rief fröhlich: "Wir brauchen sie nicht mehr, Doktor. Es ist von ganz alleine gekommen." Sie stand auf, und die beiden Männer sahen neben der Kranken etwas Formloses und Blutiges, das von einer Art regloser Bewegung belebt wurde und aus dem jetzt ein anhaltendes Geräusch kam einem fast unmerklichen unterirdischen Knirschen ähnlich. [...] "Es ist ein Junge", sagte der Doktor. "Und ein Prachtstück."

So beschreibt Albert Camus in seinem nie autorisierten, autobiographischen Roman Der erste Mensch seine eigene Geburt. Leider hatte er nicht mehr die Möglichkeit, dieses letzte Werk zu vollenden, da er am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall auf der Fahrt von Lourmarin nach Paris ums Leben kam.

47 Jahre vorher, am 7. November 1913 wurde Albert Camus als zweiter Sohn von Lucien Auguste Camus und Catherine Sintès in Mondovi geboren. Nur ein Jahr später starb sein Vater an einer Verletzung, die er sich in der Marneschlacht des 1. Weltkrieges zugezogen hatte. Durch den Tod des Vaters wurde die ohnehin schwierige Lage der Familie noch ernster, so daß Catherine Camus beschloß zu ihrer Mutter nach Belcourt, einem Armenviertel Algiers zu ziehen.

In den Jahren 1918 - 1923 besuchte der junge Camus die Ecole primaire von Belcourt und wurde dort von dem Lehrer Louis Germain unterrichtet. Dieser entdeckt die Fähigkeiten des jungen Camus' und setzte sich gegen die Wiederstände der Großmutter Camus' durch, so daß dieser von 1924 - 1931 als Stipendiat das Gymnasium besuchen konnte.
Im gleichen Jahr, in dem Camus die Ausbildung am Gymnasium abschloß, erkrankte er an Lungentuberkulose. Camus litt schwer unter dieser Krankheit, die ihn sein gesamtes Leben begleiten sollte.

Nach zwei Jahren, 1933, nahm er das Studium der Philosophie an der Universität Algier auf. Jean Grenier wurde sein wichtigster Lehrer. Zu ihm pflegte Camus sein ganzes Leben eine freundschaftliche Beziehung. Grenier machte Camus mit Nietzsche, Kirkegaard, Schopenhauer, Pascal und Moiliére bekannt. Darüber hinaus brachte ihm der junge Philosophiedozent die griechische Antike näher, die für Camus ein stets wichtiger Reflexionshintergrund war.

1934 heiratete Camus Simone Hié. Im gleichen Jahr trat Camus der Kommunistischen Partei Algeriens bei. Seine Ehe mit Simone Hiè fand bereits 1936 ein jähes Ende, da Camus erfuhr, daß sie ihn betrog. Ähnlich schnell verließ Camus die KP wieder, nämlich 1937. Es ist jedoch ungeklärt, ob aus freien Stücken oder aus Zwang.
Während dieser Zeit wendete sich Camus einem seiner wichtigsten Interessenbereiche zu, dem Theater. Er gründete 1935 das "Théâtre du Travail". Er verbrachte viele Stunden bei seinem Projekt und wirkte als Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller mit.

Im anschließenden Jahr erlangte er das Philosophie-Diplom und reiste nach Europa. 1938 wurde er Mitarbeiter bei der Zeitung "Alger républicain", für die er unter anderem als Gerichtsreporter arbeitete. Dort lernte er den Chefredakteur und langjährigen Freund Pascal Pia kennen, der Camus mit dem Journalismus vertraut machte.

1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Camus meldete sich freiwillig, wurde jedoch aufgrund seiner geschädigten Lunge abgelehnt. Die Zeitung "Alger républicain" wurde inzwischen aufgelöst. Seitdem arbeitete Camus als Journalist beim "Soir républicain". Diese Zeitung wurd 1940 verboten.

Im selben Jahr gelang es Camus, mit der Unterstützung Pias, nach Paris zu ziehen. Pia verschaffte Camus auch eine Anstellung bei "Paris-Soir". Ebenfalls im selben Jahr wurde die Scheidung von Simon Hié rechtskräftig und Camus heiratete Francine Faure, eine gebildete und sehr musikalische junge Frau, in Lyon.

1941: Camus verlor seine Anstellung und lebte einige Monate mit seiner Frau bei deren Familie in Oran, der Stadt, in dem sein berühmter Roman Die Pest (1947) spielen wird. Im nachfolgenden Jahr mußte sich Camus aus Gesundheitsgründen mehrere Wochen in Südfrankreich erholen.

Im Anschluß daran kehrte er nach Paris zurück und arbeitete, erst als Mitarbeiter und später als leitender Redakteur, für die Wiedestandszeitung "Combat". Zusätzlich bekam er ab 1943 eine Anstellung bei dem bedeutenden Verlag Gallimard. Die ganze Familie Gallimard, vor allem Michel Gallimard, wurden Vertraute des angesehenen aber noch nicht populären Schriftstellers. Im selben Jahr lernte Camus den bedeutensten Vertreter des Existenzialismus kennen: Jean-Paul Sartre.

Camus war während der Arbeit beim "Combat" längere Zeit von seiner Frau getrennt, da eine gefahrlose Einreise in den besetzen Norden Frankreichs schwierig zu organisieren war. Dennoch kam es 1945 zur Geburt der Zwillinge Jean und Catherine.

1946, nach Ende des Krieges begab sich Camus auf eine mehrmonatige Vortragsreise durch die USA und Kanada. Im folgenden Jahr erschien der Roman Die Pest, welcher Camus zu einem der populärsten Intellektuellen Frankreichs machte. Gleichzeitig gab Camus die Leitung des "Combat" auf.

Nach einer weiteren Vortragsreihe im Jahr 1949, die Camus nach Südamerika führte, brach, seine Krankheit erneut und heftig aus. Es folgte eine längere Periode der Erholung.

Dann, 1952, veröffentlichte Camus den Essay Der Mensch in der Revolte, der vehement für die Solidarität der Menschen untereinander eintritt. Über das Buch wurde in der Zeitung Jean-Paul Sartes "Temps modernes" eine vernichtende Kritik geschrieben, die zu einem Bruch zwischen den beiden Männern führte.

Diese Ereignisse ließen Camus an das Theater zurückkehren, welches er immer geliebt hat. In den folgenden Jahren brach der Algerienkrieg aus. Die Algerier versuchten sich von den französischen Kolonisatoren mit aller Gewalt zu befreien. Es kam zu beiderseitigen Greueltaten und Massakern, da Frankreich Algerien zum Mutterland zählte und ein Abzug aus Algerien unmöglich erschien. Camus bemüht sich während der ganzen Zeit als Vermittler und rief dazu auf, die Zivilbevölkerung zu schonen.

1955 reiste er nach Griechenland, 1956 nach Algerien. Seine Bemühungen in Algerien fielen jedoch nicht auf fruchtbaren Boden und seine Vermittlungsversuche endeten mit einem Debakel.

Am 10. Dezember 1957 wurde Camus mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Trotz einer anfänglichen Erschrockenheit, die mit der Furcht schon zu Lebzeiten als Klassiker begraben zu werden zusammenhing, nahm er die Auszeichnung an und reiste mit seiner Frau ebenfalls 1957 nach Stockholm.

In der nachfolgenden Zeit wurde er von einer Schaffenskriese geplagt, die er erst 1959 überwinden konnte, als er an der Adaption des Romans "Die Dämonen" von Dostojewskij arbeitete.

Diese Arbeit und sein Engagement fanden am 4. Januar 1960 ein jähes Ende durch den tragischen Unfalltod.

Verwendete und weiterführende Literatur

  • Brigitte Sändig: Albert Camus, Reinbek bei Hamburg 1995. (154 Seiten)
  • Brigitte Sändig: Albert Camus, Leipzig 1992. (330 Seiten)
  • Olivier Todd: Albert Camus. Ein Leben, Reinbek bei Hamburg 1999. (924 Seiten)
  • Herbert R. Lottmann: Camus. Eine Biographie, Reinbek bei Hamburg 1988. (582 Seiten)
  • Marie-Laure Wieacker-Wolff: Albert Camus, München 2003. (189 Seiten)